Expanding Time
Gregorianische Gesänge des Mittelalters, in originaler Neumen Notation, nach Texten des Alten und Neuen Testaments verweben sich mit über 1000 Jahre alter Sufi-Lyrik auf Arabisch, den sphärischen Klängen von kaum bekannten Steinharfen und den erdigen Tönen einer Bassflöte. Der sehnsuchstvolle Hauch der Schilfrohrflöte Ney und orientalische Ornamente der arabischen Laute Oud begleiten Sema, den mystischen Tanz sich drehender Derwische. Eine innige Performance macht die Kostbarkeit von Wasser erfahrbar.
Im Zentrum steht die Liebe zur Schöpfung als gemeinsame Aufgabe und geistige Verbindung aller spirituellen Wege. Dabei richtet sich der besondere Blick auf die historische Bedeutung von Frauen. Die bedeutenden Mystikerinnen Rabi’a von Basra (9. Jh.) und Hildegard von Bingen (12. Jh.) treten mit ihren Texten und Kompositionen in Beziehung: zwei große Frauen in einem Dialog, der Zeit und Raum überschreitet.
Der menschliche Atem ist das Zeitmaß für Artikulation und Ausdruck.
Während der Aufführung bewegen sich die Akteure im Raum und verleihen auch dem Ort selbst eine eigene atmosphärische Stimme. So entfaltet sich ein spirituelles Zusammenspiel aus Klang, Bewegung und Poesie.
Hintergrund
In einer Welt, die zunehmend von Krisen, Konflikten und gesellschaftlicher Spaltung geprägt ist, setzt die Konzertperformance EXPANDING TIME ein kraftvolles Zeichen für Dialog, Respekt und Menschlichkeit.
Jüdische, christliche und islamische Kultur verbinden sich in einer sensiblen und kunstvollen musikalischen Form – ein eindrucksvolles Symbol für gegenseitige Achtung und das Potenzial kultureller Verständigung.
Bei allen Unterschieden gibt es sehr viele Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen und Kulturen, die in unserer diverser werdenden Gesellschaft mehr Aufmerksamkeit verdienen. Respektvoller Umgang miteinander und Interesse füreinander sowie für die gemeinsame Geschichte hilft Brücken zu bauen, von einander zu lernen um die gemeinsame Gegenwart und Zukunft zu gestalten.
EXPANDING TIME lädt das Publikum dazu ein, den Blick vor allem auf das Verbindende zwischen den Kulturen zu richten – mit allen Sinnen, voller Offenheit und Staunen.
Erfahrungsberichte
Vielen Dank - wunderschön, ein mystisches Erlebnis, man fühlte sich ganz aufgelöst und wolkenleicht, als würden sich die eigenen Atome mit denen der Welt und aller Wesen verbinden, ein Glücksgefühl, mir liefen die Tränen - eine Weite, wie am Meer, alle Zeiten, Religionen und Regionen umfassend - wunderschön, der Raum perfekt dafür! Bitte wiederholen!
Es war einfach sehr tief, konzentriert hat mich sehr bewegt.
Das war ein sehr magisch mystisches Konzert gestern!! Wunderbare Zusammenstellung. Herzlichen Dank!!
Danke für diesen wunderbaren Abend gestern in der Herz-Jesu -Kirche! Es war sehr meditativ, sehr innerlich, wie ja in dem Ankündigungstext geschrieben wurde, sehr behutsam auch der Umgang der Künstler untereinander. Ich denke, diese Musik hat auch eine heilende, jedenfalls sehr ausgleichende, ordnende Wirkung. Diese Kirche ist natürlich auch der ideale Ort für diese Art von Musik. Ich freue mich schon auf ein nächstes Mal!
Während des Konzertes dachte ich, so muss es im Himmel sein.
Wir haben die Veranstaltung als sehr erfolgreich und gelungen empfunden. Dass so viele Interessierte den Weg in den Vortrag (von von Dr. Katherina Ceming) und in das Konzert in der Moritzkirche in Augsburg gefunden haben, hat uns positiv überrascht. Die geheimnisvollen Klänge der Instrumente, die tiefe Mystik der Hildegard von Bingen und die mit großer stimmlicher Präzision vorgetragenen Vokalstücke fügten sich wunderbar zu einem erfüllenden Ganzen zusammen. Mich persönlich haben die Stücke Pulchra es et decora (Hohelied) & Ps 113 In exitu Israel tonus peregrinus am meisten berührt, sicherlich vorbereitet durch die sich steigernde, mystische Stimmung der vorangegangenen Melodien. Ein außergewöhnliches Konzert von besonderer Dichte und dank der exzellenten Besetzung ein großes Erlebnis.
… die Klangsphäre des ungewohnten Instruments Steinharfe von Christoph Nicolaus zieht den Hörenden in einen Raum von Gegenwärtigkeit; ein Erleben mit allen Sinnen, unausweichlich und leibhaft. Intuitiv über kognitives Erfassen hinaus werden die Besucher Teil der Performance; während um die Kirche St. Egidien in Nürnberg herum Trubel und Sommerhitze toben breitet sich im Raum ein Fließen aus; Bewegung zwischen gregorianischen Melodiebögen und der erdig-modulierenden Stimme der Bassflöte von Normisa Pereira da Silva. Dynamisch bewegen sich Klänge und Körper im Kirchenraum: Ahnen – Kommen – Dasein – Gehen – Nachhall … Lateinisch und Arabisch: die Kompositionen der beiden mittelalterlichen Mystikerinnen Hildegard von Bingen und Rabia von Basra umkreisen die Erfahrung der unverfügbaren „Lebenskraft“ des Göttlichen; mit den Händen schöpfend fließt Wasser melodisch über die dunklen Arme und Hände der ägyptisch-nubischen Künstlerin Rasha Ragab, die selbstbewusst den Kirchenraum durchschreitet und rezitiert. Als Mann schenkt Burkard Wehner der Frau Hildegard von Bingen seine Stimme. Singend und rezitierend zeugen beide auf ihre Weise vom „Unsagbaren“, von der Freude einer geheimnisvollen „unio“, die Vereinigung und Zerfließen zugleich ist. Ein Erlebnis… fordernd, dicht, in die Weite führend…
Ein gelungener Auftakt für das 20. Opening Festival. Eine große Schar von Freunden moderner experimenteller Musik sah eine vielfältige Performance. Selten konnte das verschachtelte Gebäude der Viehmarktthermen ein wirksamere Bühne abgeben. In der lockeren Anordnung der Meuten der Stuhlreihen um einen reduktionistischen Waschtisch herum, entfaltete sich "EXPANDING TIME" . Mittelalterliche Gesänge des Vokalensembles "VOX NOSTRA", ein Trio mit hervorragendem Counter Tenor, dazu die Bordunklänge der Shrutibox. Mehrere Kompositionen von Hildegard von Bingen folgten und Normisa Pereira da Silva gelang ein hoher goldener Baßflötenklang hinauf in die Weite des Kubus. Dazwischen mystische Sufirezitation von Rasha Ragab gesprochen in arabisch, ein urtümlicher Verfremdungseffekt. Unter ihren schöpfenden und tropfenden Händen in der Mitte des Raumes am kargem Waschbecken erstand ein einprägsames Bild. Im funkelnden wundersam schön ausgeleuchteten Wasserstrahl, im leisen Plätschern und dem Tropfenflug erstand ein hohes Lied auf südspanisch maurisches Erbe von Hochkultur. Dazu im Kontrast die Pilgergesänge aus dem Kloster Montserrat. Zwei Steinharfen, kompakte Blöcke in Scheiben segmentierter polierter Natursteine wurden in Soloimprovisationen zum Tönen erweckt. Christoph Nicolaus lies unter den reibenden Bewegungen seiner angefeuchteten Hände, gleichsam Nachklänge, Obertöne von schweren bronzenen Glocken in den Raum steigen, atmende Modulationen, heiseres Reiben. Ein weltumspannendes Eintauchen in Klänge, ihre Verknüpfung und Durchdringung und dazu ein hohes Lied auf die vorgefundene Architektur. Gelungene Spielfreude bis in die hinteren Gänge, über die Rampen und Treppen des Forums. Den Ohren der Anwesenden blieb ein Lauschen, der Applaus lies minutenlang auf sich warten, im sich absetzenden Klangerleben meditativer Andacht. Danach freudige Erlösung, Rosen an die Truppe überreicht von Thomas Rath und Bernd Bleffert den Organisatoren des Festivals und lang anhaltender freudiger Applaus.
… Mit expanding time betreten wir uneingeschränkt wohlige Gefilde: Christoph Nicolaus’ magische Steinharfen, Normisa Pereira da Silvas Bassflöte, Burkard Wehners mittelalterliche Gesänge und Rasha Ragabs Sufirezitationen tauchen den Raum in eine sakrale Atmosphäre. Musiker und Publikum sind im Raum verstreut, jeder für sich und doch eng verbunden. Bei den Steinharfen handelt es sich um Granitblöcke mit tiefen Einschnitten, denen durch Berührungen, die wie sanftes Streicheln wirken, sphärische, vibrierende Klänge entlockt werden. Diese scheinen von überall herzukommen und sind nicht nur mit den Ohren sondern mit dem ganzen Körper erlebbar – eine wahre Klangmassage. …